Das Format
Eine Runde pro Stunde. Bis nur noch einer läuft.
Ein Backyard Ultra ist weder ein Rennen über eine feste Distanz noch über eine feste Zeit. Jeder läuft so weit, wie er kann. Es gibt genau einen Sieger – den, der am längsten durchhält.
Ursprung
Erfunden 2011 in Tennessee
Der Backyard Ultra wurde 2011 von Gary „Lazarus Lake“ Cantrell erfunden – demselben Renndirektor, der auch die Barkley Marathons ausrichtet. Das erste Rennen, Big’s Backyard Ultra, fand auf seinem eigenen Grundstück in Bell Buckle, Tennessee, statt und ist nach seinem Hund benannt.
Alle außer dem Sieger werden offiziell als DNF („did not finish“) gewertet. Ihr Ergebnis ist die Zahl der vollständig geschafften Runden, im Backyard-Jargon Yards. Laut der Backyard Ultra Association hat sich die Zahl der Rennen ungefähr jedes Jahr verdoppelt.
- Sieger der Erstausgabe
- 18 Yards
- Typischer Siegerwert
- 20–30 Yards
- Kleine Breitensport-Events
- 12–24 Stunden
- Weltrekord · Phil Gore, 2025
- 119 Yards
Die Distanz
6,7056 Kilometer pro Yard
Eine Runde ist exakt 4 Meilen und 880 Fuß lang. Die Zahl ist kein Zufall: 24 Runden ergeben genau 100 Meilen. Wer jede Stunde eine Runde läuft, hat nach einem Tag einen 100-Meilen-Lauf in den Beinen.
Um im Limit zu bleiben, reicht rechnerisch ein Schnitt von 8:57 min/km. Das Tempo ist nie das Problem, die Summe ist es.
| Yards | km | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | 6,71 | eine Stunde, eine Runde |
| 7 | 46,94 | Marathon (42,2 km) wird während Yard 7 überschritten |
| 8 | 53,64 | 50 km sind geschafft |
| 15 | 100,58 | 100 km |
| 24 | 160,93 | 100 Meilen – „ein voller Tag“ |
| 30 | 201,17 | 200 km |
| 48 | 321,87 | 200 Meilen, zwei Tage ohne Unterbrechung |
| 72 | 482,80 | 300 Meilen, drei Tage |
| 119 | 797,97 | aktueller Weltrekord (Phil Gore, 2025) |
Die Regeln
Sieben Regeln auf einer Seite
Die Regeln stammen vom Original-Rennen. Sie passen auf eine Seite – aber jede einzelne hat Folgen für die Software. Unter jeder Regel steht, was Lapsody daraus macht.
- § 1
Strecke
Runde oder Out-and-back, exakt 4 Meilen 880 Fuß = 6,7056 km.
Lapsody
Strecken, auch getrennte Tag- und Nachtrunde, werden einmal pro Event hinterlegt. Kilometer berechnet die App immer als Yards × 6,7056 – ganz ohne GPS.
- § 2
Corral
Der Startbereich fasst das ganze Feld und bleibt während des Rennens gleich groß. Bei der Glocke müssen alle Läufer darin stehen.
Lapsody
Eigener Ausscheidungsgrund „nicht im Corral“. Ab drei Minuten vor der Glocke zeigt Race Control, wer noch fehlt.
- § 3
Start
Jeder Yard startet exakt eine Stunde nach dem vorherigen. Warnsignale 3, 2 und 1 Minute vorher. Kein Spätstart.
Lapsody
Offizielle Rennuhr mit Yard-Nummer. Der Countdown steuert automatisch Overlays und Moderation. Wer nach der Glocke startet, wird als DNF vorgeschlagen.
- § 4a
Während des Yards
Strecke nur für Toilettengänge verlassen. Keine Nicht-Teilnehmer auf der Strecke, auch keine Ausgeschiedenen. Keine persönliche Hilfe – gemeinsame Verpflegungsstellen sind erlaubt. Keine Hilfsmittel wie Stöcke. Langsamere lassen überholen.
Lapsody
Regelverstöße werden als Kommissar-Notiz mit Zeitstempel erfasst. Die Regeln stehen verständlich auf der Live-Seite – das beantwortet die typischen Chat-Fragen von Zuschauern.
- § 4b
Zeitlimit
Jeder Yard muss in weniger als einer Stunde beendet sein, um zu zählen – auch der letzte.
Lapsody
Kein Zieleinlauf bis Start + 60:00 → Status „Zeit überschritten“, Ergebnis = vorherige Yards.
- § 5
Zeitnahme
Rundenzeiten zu messen ist optional.
Lapsody
Die App funktioniert auch im „Ampel-Modus“ nur mit geschafft / nicht geschafft. Zeiten sind ein Bonus für Statistik und Overlays.
- § 6
Sieger
Wer als Letzter einen Yard vollendet, gewinnt; alle anderen sind DNF. Ergebnisse werden als Distanz angegeben. Schafft niemand einen Yard mehr als alle anderen, gibt es keinen Sieger.
Lapsody
Die Finale-Logik erkennt Last One Standing, Assist und den Fall „kein Sieger“ automatisch. Ergebnislisten in Yards und km.
- § 7
Ende
Das Rennen ist nach oben offen.
Lapsody
Keine feste Renndauer im System. Formate mit fester Endzeit (Backyard 6/12/24) sind eine eigene Event-Art.
Quelle: offizielles Regelwerk auf bigsbackyardultra.com/rules, sinngemäß übersetzt.
Die Glocke
Anatomie einer Stunde
Jede Stunde folgt demselben Ablauf. Mit der Glocke starten alle gemeinsam. Wer schneller läuft, verschafft sich eine längere Pause zum Essen, Füße-Versorgen oder für ein paar Minuten Schlaf – zahlt dafür aber mit mehr Energie. Wer langsam läuft, schont sich, hat aber kaum Erholung.
Drei, zwei und eine Minute vor der Glocke gibt es Warnsignale, oft Pfiffe. Dann müssen alle verbliebenen Läufer im Corral stehen. Zwischen den Runden darf die Crew helfen, während der Runde nur gemeinsame Verpflegungsstellen. Viele Rennen nutzen tagsüber eine Trailrunde und nachts eine einfachere Straßenrunde gleicher Länge.
Lockerer Läufer41 min laufen · 19 min Pause
Läufer am Limit56 min laufen · 4 min Pause
Das Ende
Wie ein Backyard endet
Ein Läufer scheidet auf genau drei Wegen aus. Sein Ergebnis sind die bis dahin vollständig geschafften Yards. Ein angefangener Yard zählt nie.
- 1
Nicht im Corral
Er steht nicht im Startbereich, wenn die Glocke läutet.
- 2
Zeit überschritten
Er beendet die Runde nicht innerhalb von 60 Minuten.
- 3
Tap-out
Er gibt auf – meist zwischen zwei Yards.
Der entscheidende Yard
Gewonnen hat, wer als Letzter eine Runde vollendet – und dafür muss er eine Runde mehr schaffen als alle anderen. Der Zweitplatzierte heißt Assist: Ohne ihn hätte der Sieger nie so weit laufen können, deshalb gilt der Titel als Ehre.
Yard n startet, nur noch Läufer A und B sind im Rennen.
- Beide im Ziel
- Es geht weiter: Yard n+1, wieder mit zwei Läufern.
- Nur A im Ziel
- A ist Last One Standing mit n Yards. B bekommt den Assist mit n−1 Yards.
- Keiner im Ziel
- Kein Sieger, alle DNF mit n−1 Yards. Genau das passierte 2024 bei der Team-WM in Belgien: Drei Läufer erreichten gemeinsam 110 Yards und hörten gleichzeitig auf.